September 24, 2020
Fish and Chips: Englisches Streetfood in Reinkultur

Fish and Chips: Englisches Streetfood in Reinkultur

Fisch and Chips ist das inoffizielle Nationalgericht des Vereinigten Königreichs. Zwar hat das Gericht in den letzten Jahren durch das Aufkommen von Streetfood etwas an Popularität verloren, doch es ist bis heute fixer Bestandteil der britischen Küche. Das frittierte Fischfilet mit den dicken frittierten Kartoffeln findet man an jeder Ecke. Das Gericht wird allerdings nur noch selten zu Hause zubereitet, weil es ohnehin überall zu kaufen ist. Egal ob Streetfood-Truck, oder gehobenes Restaurant, Fish and Chips ist aus der gastronomischen Szene von England und Schottland nicht wegzudenken.

Mit Harry Ramsden´s existiert sogar eine eigene Restaurantkette, die sich auf diesen Klassiker spezialisiert hat. In den Straßenläden wird der täglich frisch gefangene und zubereitete Fisch traditionell in Papier eingewickelt verkauft. Ursprünglich wurde Fisch and Chips mit den Fingern gegessen, heute erhält man immer öfter Gabeln dazu. Besonders am Wochenende steigt der Verzehr des Gerichts deutlich an. Die Briten nutzen diese Speise als Stärkung, vor Beginn eines feuchtfröhlichen Abends.

Der Erfinder bleibt im Dunkeln

Wer Fisch and Chips ursprünglich erfunden hat, ist heute nicht mehr bekannt. Wahrscheinlich kamen die beiden Hauptbestandteile des Gerichts getrennt nach England. Die Franzosen dürften die Chips „importiert“ haben, der frittierte Fisch könnte aus der jüdischen Küche stammen. Sicher ist jedenfalls, dass beides zusammen bereits im 19. Jahrhundert zum Nationalgericht wurde. Ausschlaggebend für den landesweiten Erfolg waren die zahlreichen kleinen Familienbetriebe, die ihre Speisen lautstark auf den Straßen von London anpriesen. Fisch gab es in dem Handelszentrum immer genug, die Kartoffel dürfte aus dem Landesnorden ihren Weg in die Hauptstadt gefunden haben. Dort wuchs zusammen, was zusammen gehört und entwickelte sich zu dem landestypischen Gericht. Eines ist jedoch sicher, die Kartoffeln waren ursprünglich frittierte Brotstücke. Erst als der Weizen im Land knapp wurde, ersetzte die Kartoffel das Brot und konnte sich als fixe Beilage von Fisch and Chips durchsetzen.

Die Eisenbahn brachte den Fisch

Der jüdische Immigrant Joseph Malin gilt heute als der Gründer und Besitzer des ersten Fisch and Chips-Ladens in London. Er ging im Jahr 1860 an den Start. Damit dürfte er allerdings nur einem Trend gefolgt sein, denn einzelne Shops lassen sich noch länger in der Geschichte zurückverfolgen. Der Siegeszug wurde durch die industrielle Ausweitung des Fischfangs möglich. Die Eisenbahn brachte täglich frischen Fisch von der Küste in die Hauptstadt und befeuerte so den Verkauf. So konnte die ersten Shops Teil der traditionellen Straßenstände werden und machten Fisch and Chips populär. Bereits im Jahr 1910 soll es unglaubliche 25.000 Shops in ganz Großbritannien gegeben haben.

Die Eisenbahn brachte den Fisch
Die Eisenbahn brachte den Fisch

Dieses Streetfood leistete auch seinen Beitrag zur politischen und gesellschaftlichen Stabilität auf der Insel. Das Essen war frisch, nahrhaft und günstig. Es konnte von jedermann gekauft werden und so den Hunger in schwierigen Zeiten stillen. Fisch and Chips war sogar an der Entstehung des ersten Lieferservices beteiligt. Schon im Jahr 1936 kam ein Anbieter auf die Idee seine Speise per Motorrad-Beiwagen in die Arbeitersiedlungen zu liefern. Trotz starker Konkurrenz durch Kebab und Pizza werden auf den britischen Inseln immer noch zwischen 250 und 350 Millionen Portionen pro Jahr verkauft.